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BYOC Observability

SaaS am Limit: Warum BYOC Observability die Zukunft der Telemetrie ist

Erfahren Sie, warum BYOC Observability herkömmliche SaaS-Modelle ersetzt. Ein Leitfaden für Entscheider zu eBPF, Datenhoheit und effizienter Kostenkontrolle.

20. März 20266 Min Lesezeit

Die Skalierungssteuer: Wenn die Observability-Kosten das Wachstum überholen

Jahrelang war das Versprechen von SaaS-Observability einfach: Senden Sie Ihre Daten, und Sie erhalten Erkenntnisse. Heute setzen Unternehmen jedoch verstärkt auf BYOC Observability, um die steigende „Skalierungssteuer“ zu umgehen. Engineering-Teams tauschten einst Telemetriedaten gegen Komfort, doch mit der Explosion von KI-Workloads hat sich dieses Blatt gewendet. Die Kosten für das Monitoring erreichen nun oft Dimensionen, die die Ausgaben für die eigentliche Infrastruktur übersteigen.

Wir treten in eine neue Ära ein. Das traditionelle Multi-Tenant-SaaS-Modell für Observability stößt an seine Grenzen – limitiert durch hohe Egress-Kosten (Datentransfergebühren), Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der physikalischen Hürde, massive Datenmengen über das Internet zu bewegen. Für vorausschauende Technologie-Entscheider kristallisiert sich eine Lösung heraus: Bring Your Own Cloud (BYOC). Durch die Trennung der Plattformverwaltung von der Datenspeicherung bietet BYOC einen dritten Weg, der die Leichtigkeit von SaaS mit der Kontrolle von Self-Hosting verbindet.

Der Wendepunkt der traditionellen SaaS-Observability

Um zu verstehen, warum BYOC an Bedeutung gewinnt, müssen wir analysieren, warum das aktuelle SaaS-Modell bei großen Datenmengen scheitert. Traditionelle Anbieter arbeiten meist mit volumenbasierten Preismodellen. In einer Welt monolithischer Anwendungen war dies beherrschbar. In einer Welt flüchtiger Kubernetes-Pods und hochpräziser Traces wird dies zum finanziellen Risiko.

1. Die Falle aus Egress- und Ingestionsgebühren

Wenn Sie Logs, Metriken und Traces an einen SaaS-Anbieter senden, zahlen Sie nicht nur für den Speicherplatz. Sie zahlen für den Transfer der Daten aus Ihrer Umgebung (Egress-Gebühren) und für die Verarbeitung durch den Anbieter. Bei Datenvolumina im Petabyte-Bereich werden diese Kosten unvorhersehbar. Die Reaktion vieler Unternehmen ist das „Sampling“ – das Verwerfen von 90 % oder mehr der Daten, um im Budget zu bleiben. Das schafft blinde Flecken, die den Zweck der Observability konterkarieren.

2. Die Hürden bei Datenschutz und Souveränität

In regulierten Sektoren sind Telemetriedaten längst keine bloßen „Metadaten“ mehr. Sie enthalten oft sensible Informationen, von IP-Adressen bis hin zu PII (personenbezogenen Daten) in Log-Dateien. Der Versand dieser Daten an Drittanbieter bedeutet massiven Compliance-Aufwand. Mit der Einführung von NIS2 und DORA in Europa ist die strikte Kontrolle über den Datenstandort keine Option mehr, sondern eine gesetzliche Pflicht.

3. Latenz bei geschäftskritischen Erkenntnissen

Das Versenden massiver Datenmengen in eine entfernte Cloud zur Indizierung verursacht Latenzen. Bei einem kritischen Systemausfall zählt jede Sekunde. BYOC hält die Daten dort, wo die Anwendungen laufen. Dies ermöglicht eine nahezu sofortige Analyse hochauflösender Daten, ohne die Verzögerung eines entfernten SaaS-Backends.

Was ist BYOC? Der architektonische Wandel

BYOC wird oft fälschlicherweise als „Managed On-Prem“ bezeichnet. Obwohl es Ähnlichkeiten gibt, ist die Architektur grundlegend anders. Es ist ein hybrides Modell, das die Control Plane von der Data Plane trennt.

  • Die Control Plane (Steuerungsebene): Wird vom Anbieter verwaltet. Hier befinden sich die Benutzeroberfläche, die Authentifizierung und die Logik für Alarmierung. Sie liegt meist in der Cloud des Anbieters.
  • Die Data Plane (Datenebene): Befindet sich in der Infrastruktur des Kunden. Hier liegen die Datenbanken (z. B. ClickHouse oder VictoriaMetrics), die Kollektoren und der Speicher – innerhalb Ihrer eigenen VPC (Virtual Private Cloud).

In diesem Modell verwaltet der Anbieter die Software aus der Ferne (Patches, Updates, Skalierung), aber die Daten verlassen niemals Ihre Umgebung. Sie besitzen die Festplatten, das Netzwerk und die Hoheit über die Daten.

eBPF: Der technologische Enabler für BYOC

Dass BYOC erst jetzt massentauglich wird, liegt vor allem an der Reife von eBPF (extended Berkeley Packet Filter). Früher erforderte tiefe Observability eine schwere Instrumentierung: Agenten in jedem Container oder Sidecars in jedem Pod. In einer BYOC-Umgebung war dies operativ kaum zu bewältigen.

eBPF ändert alles, indem es Observability-Tools erlaubt, sich direkt in den Linux-Kernel einzuklinken. Metriken, Logs und Traces können auf Kernelebene gesammelt werden, ohne den Anwendungscode zu ändern. Für BYOC bedeutet das:

  • Zero-Touch Deployment: 100 % Sichtbarkeit über einen Kubernetes-Cluster hinweg durch einen einfachen Sensor auf Kernelebene.
  • Hohe Performance: Da die Datensammlung im Kernel erfolgt, ist der Overhead im Vergleich zu herkömmlichen Agenten minimal.
  • Sicherheit: eBPF bietet eine sichere, isolierte Methode, das Systemverhalten zu beobachten, ohne die Kernel-Stabilität zu gefährden.

Strategische Vorteile des BYOC-Modells

Warum entscheiden sich technische Geschäftsführer (CTOs) für BYOC? Der Wechsel wird von drei Säulen getragen: Kostenstabilität, Datensouveränität und technische Präzision.

1. Radikale Kosteneffizienz

Bei BYOC bestehen die Hauptkosten aus Ihrer eigenen Cloud-Infrastruktur (S3-Buckets, Compute-Instanzen). Da Sie keinen Aufschlag für die Speicherung und Ingestion an einen Drittanbieter zahlen, sinken die Grenzkosten pro Gigabyte drastisch. Teams können oft das Zehnfache an Daten speichern – zum gleichen Preis ihrer alten SaaS-Rechnung.

2. Compliance und Resilienz (NIS2 & DORA)

Für europäische Unternehmen ist BYOC ein strategischer Vorteil. Da Telemetriedaten die kontrollierte Umgebung nie verlassen, vereinfacht dies Audits für GDPR, NIS2 und DORA erheblich. Sie müssen sich keine Sorgen machen, ob das Rechenzentrum eines US-Anbieters Ihre spezifischen Souveränitätsvorgaben erfüllt.

3. Vermeidung von Vendor Lock-in

Zwar nutzen Sie weiterhin das Interface eines Anbieters, aber die zugrunde liegenden Daten verbleiben in Ihrem Speicher. Ein Wechsel des Anbieters bedeutet nicht mehr, Petabytes an historischen Logs mühsam aus einer proprietären SaaS-Cloud migrieren zu müssen. Die Daten liegen bereits in Ihren eigenen S3-Buckets.

FinOps-Optimierung durch BYOC-Architekturen

In modernen Cloud-Strategien spielt FinOps eine zentrale Rolle. Bei herkömmlichen SaaS-Modellen sind die Kosten oft eine „Black Box“ – Sie zahlen eine Pauschale pro Gigabyte, ohne zu wissen, wie viel davon auf die tatsächliche Infrastruktur und wie viel auf die Marge des Anbieters entfällt. BYOC Observability schafft hier volle Transparenz. Da die Rechen- und Speicherressourcen in Ihrer eigenen Cloud-Umgebung (VPC) laufen, nutzen Sie Ihre bestehenden Rabattverträge mit Cloud-Providern wie AWS, Azure oder GCP (z. B. Reserved Instances oder Savings Plans). Dies ermöglicht eine präzise Kostenallokation und verhindert böse Überraschungen am Monatsende. Zudem entfallen die oft unterschätzten Kosten für Daten-Egress, da die Analyse dort stattfindet, wo die Daten entstehen.

Die Synergie mit OpenTelemetry

Ein weiterer entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit von BYOC ist die tiefe Integration von OpenTelemetry (OTel). Während proprietäre SaaS-Anbieter oft versuchen, Kunden durch eigene Agenten und Datenformate zu binden, setzen BYOC-Lösungen konsequent auf offene Standards. Das bedeutet für Sie: Die Datenhoheit beginnt bereits bei der Erzeugung der Telemetrie. Sie behalten die volle Kontrolle darüber, welche Daten gefiltert, transformiert oder angereichert werden, bevor sie in Ihrer internen Datenbank landen. Diese Standardisierung schützt Ihre Investitionen und stellt sicher, dass Ihre Observability-Strategie unabhängig von einzelnen Tool-Anbietern bleibt.

Fazit: Ist BYOC das Richtige für Ihr Unternehmen?

Der Wechsel zu BYOC ist kein Allheilmittel, aber für viele Unternehmen wird er unvermeidlich. Wenn Ihre Organisation eines der folgenden Merkmale aufweist, ist die SaaS-Ära für Ihre Telemetrie am Ende:

  • Hohes Datenvolumen: Sie geben mehr als 10-15 % Ihres gesamten Cloud-Budgets für Observability aus.
  • Strikte Compliance-Vorgaben: Sie arbeiten in den Bereichen Finanzen, Gesundheit oder kritische Infrastruktur (KRITIS).
  • Kubernetes-Fokus: Sie betreiben komplexe containerisierte Workloads, bei denen eBPF seine Stärken ausspielen kann.

Die Zukunft der Observability wird nicht darüber definiert, wo das Dashboard gehostet wird, sondern wo die Daten leben. Mit BYOC gewinnen technische Entscheider die Kontrolle über ihr wertvollstes Gut zurück – ihre Betriebsdaten – ohne auf den Komfort eines verwalteten Dienstes verzichten zu müssen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen BYOC und On-Premise?

Bei On-Premise müssen Sie Software, Updates und Skalierung selbst verwalten. BYOC ist 'Vendor-managed' – der Anbieter übernimmt den Betrieb aus der Ferne, während die Daten in Ihrer Infrastruktur verbleiben.

Erhöht BYOC meine Cloud-Rechnung?

Die direkten Kosten für Cloud-Infrastruktur steigen leicht, aber die massiven Ingestions-Gebühren der SaaS-Anbieter entfallen. Dies führt in der Regel zu einer drastischen Senkung der Gesamtkosten (TCO).

Ist BYOC mit Multi-Cloud-Strategien kompatibel?

Ja. Da die meisten BYOC-Lösungen auf Kubernetes basieren, können sie konsistent über AWS, Azure, GCP oder eigene Rechenzentren hinweg betrieben werden.

Wie hilft BYOC bei der NIS2-Konformität?

NIS2 fordert strenge Kontrolle über kritische Daten. BYOC stellt sicher, dass Telemetriedaten in Ihrer Gerichtsbarkeit und Infrastruktur verbleiben, was das Risiko durch Drittanbieter-Datenverarbeiter minimiert.

Ist eBPF zwingend erforderlich für BYOC?

Nicht zwingend, aber eBPF macht BYOC erst effizient. Es ermöglicht dem Anbieter, Daten ohne invasive Agenten zu sammeln, was die Fernverwaltung der Datenebene deutlich stabiler macht.

Quelle: devops.com

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